Die verkorkste Energiewende mit dem Faktor Angst
Für Angela Merkel ist die Energiewende Chefsache. Doch besser als ein neuer Minister wäre, die bisherigen Fehler zu korrigieren – allen voran den vorschnellen Atomausstieg.
Von Thomas Schmid
Wenn sich die Nebel legen, sieht man klarer – schon gar, wenn die wabernden Sichtblenden mit Absicht erzeugt waren. Es gab viel deutendes Gestochere über die Frage, warum Norbert Röttgen sein Ministeramt so brüsk entzogen worden ist. Mal war von der Wahl in Nordrhein-Westfalen die Rede, mal von Röttgens eigenwilligem Verhalten und mal von einer Machtkälte der Bundeskanzlerin. Doch nun wird sichtbar, dass der Grund ein anderer war: die tiefe Krise der 14 Monate alten "Energiewende".
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Ein donnerndes Nein zur Nutzung der Atomenergie
Das hätte erstens gut zur Philosophie der Nachhaltigkeit gepasst und wäre zweitens dem Umstand gerecht geworden, dass nationale Alleingänge im Zeitalter von EU und Globalisierung eigentlich ein Unding sind. Ganz abgesehen davon, dass der "Energiewende" kein positiver Zug eigen war. Sie bestand aus einem donnernden Nein zur Nutzung der Atomenergie – alle anderen Fragen, also die entscheidenden nach dem Danach, nach der Alternative waren buchstäblich offen und ungelöst.
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Peter Altmaier ein Strom-Herkules?
Im Norden des Landes sollen die Offshore-Anlagen mit großer Wucht erblühen – während im Süden, also in den Bezieherländern, erwogen wird, energiepolitisch möglichst autark zu werden. Wer aber soll dann den Nordstrom abnehmen, warum soll man dann Trassen bauen? Gibt es niemandem zu denken, dass der Dirigent Enoch zu Guttenberg, der einst den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mitbegründete, aus Protest gegen die geplante Verspargelung der süddeutschen Höhen durch Windräder aus dem BUND ausgetreten ist? Warum die Ignoranz, mit der zu Guttenbergs Sorge um die traditionelle Schönheit der Kulturlandschaft Deutschlands als Marotte eines konservativen Großgrundbesitzers abgetan wird?
Fragen über Fragen – aber keine Antworten. Peter Altmaier weiß, dass an der "Energiewende" der Makel der Kopflosigkeit klebt. Schön, dass der neue Umweltminister ein kommunikativer Mensch ist. Bisher weist aber nichts darauf hin, dass er zum Strom-Herkules werden könnte.
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