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Heuschrecken in Brandenburg

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Projektentwickler für WKA ziehen durchs Land und hinterlassen zerstörte Natur und Sozialstrukturen

 

Zwei Leserzuschriften im Wochenspiegel Jüteborg - Luckenwalde - Dahme - Trebbin

Leserbrief zu "Schlechte Aussichten?" von K. Markwart

Zerstörung einer Gemeinschaft?

Seit 20 Jahren ziehen in Brandenburg die Projektentwickler für Windkraftanlagen (WKA) wie die Heuschrecken durch das Land. Die Masche ist immer dieselbe: Landeigentümern wird viel Geld für die Verpachtung zum Zwecke der Errichtung von WKA versprochen. Gemeindemitspracherecht und andere gesetzliche Bestimmungen wie Landschafts- und Naturschutz werden weggewogen. Gewinne können dabei mit WKA nur durch hohe Subventionierungen (z.B. Einspeisevergütung) und die permanente Rekrutierung von Anlegern gewonnen werden. Ein Schneeballsystem bei dem Land, Kommunen und Gemeinden auf horrenden Folgekosten insbesondere bei Firmenpleiten sitzen bleiben, denn nach spätestens dreißig Jahren müssen die Anlagen abgebaut werden und die Fragen nach der elektrischen Zuleitung und Stromspeicherung bei schwankenden Erträgen sind ungeklärt. Genauso werden in Zukunft auch die sozialen Kosten von Gesundheitsschäden z.B. in Folge von Windturbinensyndrom, also das Krankwerden durch Infraschall, und Umweltschäden wie den Verlust der Artenvielfalt vermehrt ins Gewicht fallen. WKA-Firmen und die sie unterstützenden Politiker verhalten sich wie Rauschgiftsüchtige: Im Kanzleramt wird um immer mehr Subventionen gebettelt und die Anlagen sollen mit über 300 Meter ins Gigantische gebaut werde, um die Renditeerwartungen zu erfüllen.

Im Bereich um Schlenzer bei Jüterbog, Niederer Fläming, stehen bereits 200 WKA, die Zahl der Anlagen soll durch Bebauung der offenen Restflächen um ein Vielfaches erhöht werden. Die Gemeinden des Niederen Fläming verloren durch die Aufgabe des schon weit in der Planung befindlichen Naturparks „Niederer Fläming“ eine touristische Alternative als zusätzliche Einnahmequelle neben der Landwirtschaft. Jetzt steht zu befürchten, dass die Bevölkerung einem noch weit höherem gesundheitlichen Risiko ausgesetzt werden wird, und dass nach den Großtrappen die letzten bedrohten Wiesenweihen den Niederen Fläming verlassen werden.

Freundliche Grüße
Bernd Baumgart

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WOCHENSPIEGEL
Ausgabe 27 · 6. Juli 2011

Schlechte Aussichten?

In Schlenzer - und sicherlich auch in anderen Dörfern konnten sich in den letzten Wochen einige Einwohner über Fremde wundern, die unseren Landkreis nicht als Touristen besuchten und die unsere Ackerbesitzer umständlich und indirekt danach fragten, wo eventuell noch Windräder aufgebaut werden könnten. Durch Nachfragen bei diesen Gästen erfuhr man nichts Genaues.

Auf einer spontan einberufenen Einwohnerversammlung haben wir Beängstigendes erfahren: verschiedene Windparkfirmen suchen derzeit überall in Brandenburg nach Flächen für die Errichtung weiterer Anlagen, und wollen die letzten verbliebenen Blickachsen mit noch mehr Windrädern bebauen. Von unserem Dorf allein kann man zurzeit schon weit über 200(!) Windräder sehen!

Viele konnten auf der spontanen Einwohnerversammlung nicht verstehen, warum erst 2% der ehemaligen Militärflächen für erneuerbare Energien genutzt werden und warum jetzt im Hauruck-Verfahren wertvoller Ackerboden geopfert werden soll. Die ehemaligen Militärflächen sollten doch zuerst bebaut werden!!!

Besonders ärgerlich für die Dorfgemeinschaft ist die Tatsache, dass die erwähnten Firmen nicht offen auf alle Schlenzeraner zugehen, sondern sich still und heimlich Flächen sichern wollen, z.B., in dem einzelnen Dorfbewohnern sehr viel Geld für das Verpachten ihrer Flächen versprochen wird. Demokratie stellen sich die Schlenzeraner anders vor. Unser Dorf ist für eine besonders solidarische Gemeinschaft bekannt.

Dadurch wurde diese spontane Einwohnerversammlung am Sonntagmorgen mit so großer Beteiligung erst möglich.

Immerhin war fast jeder dritte Schlenzeraner gekommen. Viele sind bereit für ihr Dorf zu kämpfen. Vor allem die Gründung einer Bürgerinitiative wird in Erwägung gezogen.

Das Traurigste, das dem Dorf passieren könnte wäre aber, wenn die Gemeinschaft in Mitleidenschaft gezogen wird, so wie man es in anderen Dörfern mit wohnortnaher Bebauung von Windrädern erlebt hat (z.B. in Hohenseefeld).

Geld oder Landschaft? Geld macht bekanntermaßen nicht immer glücklich - eine funktionierende Dorfgemeinschaft und eine Landschaft, die weiterhin Erholungswert bietet hingegen schon, oder?

K. Markwart
Schlenzer