Font Size

Screen

Profile

Layout

Direction

Menu Style

Cpanel
Ökodiktatur Brauchen wir einen Öko-Sarrazin?

Brauchen wir einen Öko-Sarrazin?

  • PDF

Leserbrief aus der FAZ vom 22.03.2011

Zwei prominent plazierte Meldungen im Wirtschaftsteil (F.A.Z. vom 7. März) las­sen aufmerken: Die deutschen Autofahrer verweigern der Regierung beim Einsatz von Biosprit die Gefolgschaft - und die Präsidentin des Bundesamtes für Natur­schutz (BfN) warnt vor Umweltgefahren durch Offshore-Windräder. Bahnt sieh hier womöglich etwas an'.' Beginnen die Bundesbürger zu begreifen, welchen öko­logisch oft nur camouflierten. in Wahrheit von beinharten politischen und finanziel­len Interessen gesteuerten Schalmeienklängen sie bislang gefolgt sind? Wird ih­nen allmählich bewußt, dass eine Quasi-Allparteienkoalition sich angeschickt hat, jedermann einem von ihr definierten öko­logischen Wohlverhaltensdiktat zu unter­werfen - koste es, was es wolle? Entwi­ckeln die Menschen womöglich einen Sensus für die zynische Doppelmoral, mit der Großprojekte wie "Stuttgart 21" wegen ei­niger Bäume oder Borkenkäfer blockiert, fast zeitgleich aber das Wattenmeer zerstö­rende Großtrassen für Windparks augen­zwinkernd durchgewirkt werden? Könnte es sein, dass es nur noch eines Tropfens be­darf, um das Fass allgemeinen Öko-Über­drusses überlaufen zu lassen?

In jahrelanger, bewundernswert konse­quent betriebener Lobby- und Medienar­beit ist es den politisch und kommerziell Interessierten gelungen, eine spezifisch deutsche, für sie ausgesprochen einträgli­che Form der Ökomanie gewissermaßen zum Inhalt unserer „Leitkultur" zu ma­chen, der sich jedermann, will er nicht als „politically incorrect" im moralischen Abseits landen, anzupassen hat. Etwas Ähnli­ches gab es doch schon einmal: Stichwort Integration. Auch dort hatten Politik und Verbände es verstanden, die offenkundi­gen Probleme jahrzehntelang unter einen selbstgeknüpften Wohlverhaltensteppich zu kehren - bis Thilo Sarrazin die Schleu­sen für eine freimütige Diskussion öffne­te. Dann war kein Halten mehr. Brauchen wir also so etwas wie einen Öko-Sarrazin, der uns in Umweltfragen endlich aus der für allgemeinverbindlich erklärten ideolo­gischen Zwangsjacke befreit und nüchtern nach Kosten. Umwelteffizienz und Arbeitsplätzen fragen lässt?

Der Schritt der BfN-Präsidentin Beate Jessel, die mit unglaublicher Zivilcourage der Risiko-Vernebelungspolitik ihres Mi­nisteriums entgegengetreten ist, nährt die Hoffnung, dass es auch ohne einen wie Sarrazin gehen könnte. Eines darf aller­dings als sicher gelten: Bin Autor von ähn­lichem Mediengewicht, der sich wissen­schaftlich kompetent und in klarer Spra­che kritisch des Öko-Themas annähme, fände ein Millionenpublikum. Und hätte die Chance, politisch etwas zu bewegen.

DR. HANS CHRISTOPH VON ROHR, MÜLHEIM AN DER RUHR