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Der kleine Diktator

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Herrmann Albers vom BWE fordert:
"Stromnetz ausbauen oder Strafe zahlen!"

Hurra, die Ökodiktatur ist da - und alle schauen verschämt weg...


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Stromnetz: Ausbauen oder Strafe zahlen

26. September 2011 | 04:20 Uhr | Von pst

Im Gespräch: Hermann Albers, "Watt_2.0"-Geschäftsführerin Katrin Schirrmacher und Matthias Volmari (von links). Foto: pst


BWE-Präsident sieht Chancen für relativ zügige Umsetzung

"Wer auf Zeit spielt, muss bestraft werden." So eindeutig nahm Hermann Albers Eon & Co. ins Visier. Der Präsident des Bundesverbandes Windenergie (BWE) will den Netzbetreibern Dampf machen, damit sie die Strom-Trassen so ausbauen, dass die erneuerbaren Energien schnell in ihnen Platz bekommen. Beim zweiten "Frühstück mit Ausblick" der Initiative "Watt_2.0" im Restaurant "Deichshörn" im Breklumer Koog stellte der Simonsberger Landwirt und Geschäftsführer des dortigen Bürgerwindparks klar, was der BWE vom Wunsch hält, die Windkraftleistung erst dann zu steigern, wenn die Konzerne ihre Netze verstärkt haben: "Nichts! Auf dieses Spiel dürfen wir uns nicht einlassen. Der Netzausbau muss parallel zur Aufstockung der Windkraftleistung erfolgen."

Der Präsident des Bundesverbandes Windenergie, der auch an der Spitze des BWE-Landesverbandes Schleswig-Holstein steht, geht aber davon aus, dass Kiel zügig die Windeignungsflächen auf die angepeilten zwei Prozent der Landesfläche (bislang 0,8 Prozent) aufstocken wird. 2012 soll das erledigt sein, so der Fahrplan der Landesregierung. Zusammen mit dem Repowering soll damit die Basis geschaffen werden, um 9000 Megawatt an zusätzlicher Windkraftleistung im Land zwischen den Meeren zu installieren. Wenn die schon heute überforderten Netze dieses Potenzial nicht verkraften könnten, müssten die Betreiber eben die fälligen Strafen zahlen: "Das ist dann ihre Sache", konstatierte Albers.

Zurzeit stehen im nördlichsten Bundesland 2675 Windrotoren, die eine installierte Leistung von 3015 Megawatt haben. Auch wenn 2010 233 Megawatt hinzugekommen sind, "Schleswig-Holstein ist nicht mehr die Nummer eins", bedauerte Hermann Albers. Nordrhein-Westfalen liegt fast gleichauf. Sachsen-Anhalt (3500 MW), Brandenburg (4400) und Niedersachsen (6664) sind davongezogen.

In Nordfriesland ist ein Drittel der schleswig-holsteinischen Windkraftleistung positioniert. Und hier hakt es mit der Netzeinspeisung auch am stärksten. Wegen fehlender Kapazitäten werden nach Angaben von Albers zwar bundesweit nur 0,5 Prozent des Windstroms abgeschaltet - "davon aber 98 Prozent hier im Kreisgebiet".

Die zwei Verbindungstrassen (Niebüll-Flensburg) und Husum-Audorf) verkraften gerade einmal 310 MW. Wenn im Herbst die 27-Kilometer lange 110-kV-Leitung von Bredstedt nach Flensburg fertig ist, erhofft sich die Eon, dass zusammen mit dem Freileitungs-Monitoring die derzeit zwischen dänischer Grenze und Eider installierte Windkraftleistung aufgenommen werden kann - mehr aber auch nicht.

Abhilfe kann nur eine 380-kV-Leitung entlang der Westküste (Niebüll bis Brunsbüttel) bringen. Den ersten Spatenstich dafür 2015 vornehmen zu wollen, bezeichnete Albers als große Herausforderung. Vor allem eingedenk der Tatsache, dass die Eon zur Umsetzung der 110-kV-Trasse Breklum-Flensburg acht Jahre benötigt habe. Zum Vergleich: Das nordfriesische Unternehmen Geo hatte nach zwei Jahren alle Genehmigungen für die selbe Trasse in der Tasche - aber als Erdkabel, dessen Kosten nicht umlegungsfähig waren.

Das hat sich mittlerweile geändert. Deshalb wird sich die Wind-Branche auch selbst beim Bau von 110-kV-Zuleitungen engagieren. Denn im Augenblick ist die Erfahrung von Hermann Albers diese: "Neue Trassen gibt es nur schnell, wenn sie und der Windpark in einer Hand sind - in der der Netzbetreiber."

Für die 380-kV-Westküsten-Leitung sieht der BWE-Präsident dennoch Chancen auf eine verhältnismäßig zügige Umsetzung. Grund: Wegen der hohen Zahl an Bürgerwindparks sei die Windenergie in Nordfriesland akzeptiert. Im benachbarten Dithmarschen liege der Fall wegen der anderen Finanzierungsverhältnisse (Investoren-Modell) schon etwas anders. Aber auch hier lasse sich Überzeugungsarbeit leisten.

Nicht ohne Optimismus ist auch Matthias Volmari. Der Vorstandsvorsitzende der "windcomm Schleswig-Holstein" ist sich sicher, dass der niederländische Netzbetreiber Tennet, dem die Eon ihre Hochspannungsleitungen übergeben hat, an der Westküste aufs Tempo drückt. Die detaillierten Vorarbeiten des Netzbetreibers könnten sogar Kommunen und Gebietskörperschaften dazu zwingen, schneller als geplant in die Materie einzusteigen.

Den Ausbau der erneuerbaren Energien - und hier im Norden besonders der Windkraft - bewertete Hermann Albers als die große Chance Schleswig-Holsteins. Er erwartet ein Investitionsvolumen von rund zehn Milliarden Euro. "Wer das nicht umsetzen will, gefährdet seinen Platz als Wirtschaftsstandort", lautete sein Credo. Nach Angaben von Matthias Volmari hat die bisherige Windkraft-Finanzierung (Onshore) erheblich zur Stabilisierung des regionalen Bankensektors geführt. Diese Geschäfte dürften nicht anderswo gemacht werden. Hermann Albers: "Dezentrale Energie muss dezentral organisiert werden."

Artikel auf shz.de nachlesen: http://www.shz.de/nachrichten/lokales/husumer-nachrichten/artikeldetails/article//stromnetz-ausbauen-oder-strafe-zahlen.html

Hierzu ein (bisher in der Zeitung nicht veröffentlichter) Kommentar von Ventus Whistler*:

Wo eine Lichtgestalt unterwegs ist gibt’s auch Schatten

So isser unser Windbaron und Ex-Landwirt (eigentlich Lobbyist in eigener Sache). Rhetorisch geschult und artig lächelnd, pflegt er sein Image als bodenständiger Bauer mit grüner Seele und sozialem Gewissen. Er predigt die allgegenwärtige Akzeptanz von Windkraftanlagen (auch auf Sylt oder von Husum bis St. Peter?) und singt das hohe Lied der Bürgerwindparks (und wirft dabei schon ’mal Bürgerwindpark und das Alibikonstrukt ’Windpark mit Bürgerbeteiligung’ in einen Topf). Es geht eben um viel Geld und da ist Wasser predigen und Wein saufen eben auch H. Albers Motto. In seiner Nachbarschaft werden Bürgerbeteiligung und Bodenständigkeit für Ihn dann auch zu Fremdworten. Dort versucht er seit langem gegen den Willen der Bevölkerung im Nachbardorf Windkraftanlagen, höher als der Kölner Dom, vor die Fenster und Gärten der Uelvesbüller zu setzen und seinen stromkostenfinanzierten Wohlstand damit weiter zu vermehren. Da ist dann nix mehr mit Bürgerbeteiligung und nettem Landwirt und sein kommunikatives Talent konzentriert sich auf Teile des Gemeinderates, den Herrmann Albers dann ja auch gut im Griff hat.

Aber manchmal gehen seine Pferde mit ihm durch – da läßt er sich, für’s Fernsehen artig aus einer Windmühle herausschauend, zu These hinreißen, daß ein flächendeckender Bau von Windkraftanlagen zum Erhalt der Nordfriesischen Landschaft beiträgt – was Nolde wohl dazu gesagt hätte und was die Touristiker wohl davon halten? Egal - H. Albers ist ja nicht in Sachen Kunst und Kultur unterwegs. So ist es ihm in seinem Argumentationsdrang auch egal, daß andere Bundesländer flächenmäßig eben größer sind als Schleswig-Holstein (und demzufolge auch mehr Windkraftanlagen aufstellen können, die nur leider nicht ihm gehören). Und nun bastelt er auch noch an Verschwörungstheorien von Atomlobby und Kohlekraftwerksbetreibern und droht EON & Co mit Strafe, wenn diese seinen Windstrom nicht abnehmen (Eon, Vattenfall & Co werden nun sicher sofort vor dem Windbaron aus der Simonsberger Pampa zu zittern anfangen).

Die phasenweise eigentümliche Argumentation von Albers zeigt eigentlich nur, wie sehr er an den Wachstumsraten seines Einkommens hängt – Sorge um die Energieversorgung in der Zukunft sieht aber anders aus. Die Zukunft der Energieversorgung ist komplexer, als Herr Albers es in seiner Welt wahrnimmt. Neben regenerativen Energien, von denen Windkraft eben nur ein Teil darstellt, sind Effizienzsteigerung und Vermeidung von Energieverschwendung wesentliche Bausteine der Energiewende, für die auch Geld aufgebracht werden muß – man kann sich nicht nur auf die Windenergie konzentrieren und nicht alles Geld auf eine Karte setzen (aber da würde Herrmann Albers ja nichts dran verdienen). Wenn solche Lobbyisten, mit dem ’Tunnelblick des Eigeninteresses’ noch einflußreicher werden, tauschen wir lediglich die Atomlobby gegen eine Windlobby. Das Strahlungsrisiko wächst dann vielleicht nicht weiter (besteht aber, trotz der ’’spontanen Erkenntnis’’ unserer obersten Physikerin, sowieso noch einige Hunderttausend Jahre weiter). Eine vernünftige Energiepolitik, sichere Versorgung und bezahlbare Preise bekommen wir mit solchen Akteuren (Ak teuer en ?) aber sicher nicht.

In einem hat Albers aber recht. Auch er finanziert seine Projekte wohl nicht aus der Portokasse – einen großen Anteil vom Kuchen geht an die Banken. Je größer die Baustelle – je größer die Bank und auch das hat dann wohl auch weniger mit dem Wohlergehen in der Region zu tun, als uns Herr Albers weismachen will.

Ventus Whistler

*Name der Redaktion bekannt

 

 




Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 04. Oktober 2011 um 09:11 Uhr